Ugandabesuch 2026

Eineinhalb Wochen im Community Center

Mitte August waren wir – Sarah und Elli – wieder eineinhalb Wochen in Uganda. Auch wenn wir beide mittlerweile mehrmals dort waren, ist es jedes Mal etwas Besonderes, die beiden Hälften von Nurturing Uganda, Team Österreich und Team Uganda, wieder zusammenzubringen. Und jedes Mal wieder beeindruckend zu sehen, was sich seit dem letzten Besuch weiterentwickelt hat.

Ein großer Teil unserer Zeit war diesmal der gemeinsamen Reflexion mit dem Team gewidmet: Was haben wir in den letzten zwei Jahren gelernt? Bieten wir die richtigen Programme an? Was wollen wir weiterentwickeln? Diese Fragen haben uns durch viele Meetings und Arbeitssitzungen begleitet. Daneben hatten wir auch Zeit, den Alltag im Community Center mitzuerleben, einzelnen Programmen beizuwohnen und Familien in der Umgebung zu besuchen.

Hier als Einstieg ein kurzes Video über unsere Zeit in Uganda:

Jugendworkshops

Gleich zu Beginn unseres Besuchs konnten wir beim letzten Tag eines mehrtägigen Jugend-Workshops zum Thema Business Growth dabei sein. Ein eigenes Business aufzubauen ist in der Region eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, sich eine Lebensgrundlage zu schaffen. Einen regulären Job zu finden ist, wie Felix es formuliert, „like finding gold“, vor allem mit wenig Schulbildung.

Was dabei besonders auffällt: Es geht nicht nur um Businesspläne, sondern auch um eine grundlegende Verschiebung in der Denkweise. Einer der Teilnehmer hat es so beschrieben: Vor den Workshops habe er gedacht, dass ihm 10.000 Shilling gerade für die Versorgung eines Tages reichen. Heute weiß er, dass 10.000 Shilling Startkapital für etwas Eigenes sein können. Und die wichtigste Entscheidung, die er durch das Programm getroffen hat: Er hat begonnen, eine Ausbildung zum Schweißer zu machen, etwas, das er vorher nie in Betracht gezogen hatte. Bisher haben im Community Center insgesamt neun solcher Workshops stattgefunden, mit 403 Teilnehmenden.

Berufsausbildungen

Parallel laufen unsere Berufsausbildungen in Schneiderei und Friseurhandwerk. Gerade in der Woche unseres Besuchs hatten die Klassen ihre Abschlussprüfungen vor den Ferien. Es ist jedes Mal beeindruckend, mit welchem Geschick und welcher Geduld dort gearbeitet wird. Die Ergebnisse sprechen für sich: Über 93% der letzten Abschlussklasse verdienen heute ihr Einkommen mit dem Erlernten, entweder selbstständig oder in Anstellung.

Was die Absolventinnen berichten, geht dabei über das Handwerkliche hinaus. Eine unserer Schülerinnen beschreibt uns, wie die Ausbildung ihr nicht nur eine Fähigkeit, sondern auch das Selbstvertrauen gegeben hat, eine eigenständige wirtschaftliche Zukunft aufzubauen. Für den laufenden Jahrgang 2026 sind 25 junge Menschen in Ausbildung, darunter erstmals zwei Personen mit Behinderungen.

Die Ausbildungen waren in der ursprünglichen Planung des Community Centers nicht in dieser Form vorgesehen, die umfunktionierten Räume sind dafür eigentlich zu eng. Weil die Wirkung aber so weitreichend ist, überlegen wir, ob wir Nebengrundstück ein eigenes Skills Centre errichten können, das auch weitere Ausbildungsformate ermöglichen würde. Wir sind schon am Einholen von Informationen und Erstellen von detaillierten Plänen.

Computerraum

Gleich neben den Ausbildungsräumen befindet sich der Computerraum, ein weiteres Herzstück des Community Centers. Er ist mit 11 Computern ausgestattet und wird den ganzen Tag von verschiedenen Gruppen genutzt: Schülerinnen und Schüler aus umliegenden Schulen kommen für Recherchen und Schulaufgaben, Erwachsene aus der Community nutzen ihn für Dokumentenarbeit oder einfach, um digitale Grundkenntnisse aufzubauen. Auch die Näh- und Friseurklassen erhalten als Teil ihrer Ausbildung regelmäßig Computerunterricht. Für viele der Nutzerinnen und Nutzer ist der Raum der einzige Ort, an dem sie überhaupt Zugang zu einem Computer haben. Die Nachfrage ist so konstant hoch, dass wir überlegen, strukturierte Kurse mit Abschlusszertifikat anzubieten, die den Teilnehmenden auch nach außen hin etwas in die Hand geben.

Spargruppen

Auch bei einem Treffen der Spargruppen-Komitees konnten wir dabei sein. Die drei Gruppen kommen jede Woche zusammen, zahlen ihre Ersparnisse ein und können sich bei Bedarf kleine Kredite nehmen, um in ihr Business oder größere Ausgaben zu investieren. Am Ende des Jahres werden die erwirtschafteten Zinsen ausgezahlt.

Was die Gruppen seit Projektbeginn aufgebaut haben, geht weit über das ursprünglich Geplante hinaus. 2025 haben sie gemeinsam fast 24 Millionen Shilling angespart, das entspricht knapp 6.000 Euro. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits wieder fast 5.000 Euro. Besonders bemerkenswert: Es gab bisher keinen einzigen Kreditausfall, was im Vergleich mit ähnlichen Gruppen in der Region ungewöhnlich ist. Viele Mitglieder beschreiben außerdem, wie sich ihre Einstellung zum Sparen grundlegend verändert hat: Statt ohne klares Ziel zu sparen, investieren sie heute gezielt, in Hühner, kleine Handelsgeschäfte oder Schulgebühren. Seit unserem letzten Besuch wurden die drei Gruppen außerdem erfolgreich unter einem gemeinsamen Dachverband offiziell registriert.

Patenkinder-Besuche

Einen Nachmittag haben wir damit verbracht, einige unserer Patenkinder zuhause zu besuchen. Die Gründe, warum Kinder in unser Patenschaftsprogramm aufgenommen werden, sind vielfältig: alleinerziehende Mütter ohne oder mit geringem Einkommen, Kinder ohne Eltern, die bei kranken Großeltern aufwachsen, Kinder mit Erkrankungen, deren medizinische Versorgung so viel kostet, dass für Schulgebühren kaum mehr etwas übrig bleibt.

Bei diesen Besuchen geht es uns darum, mit den Familien zu sprechen, zuzuhören und zu schauen, wo wir unterstützen können. Gleichzeitig versuchen wir mit den Programmen im Community Center die tieferliegenden Ursachen zu adressieren, damit Familien langfristig selbst für die Schulbildung ihrer Kinder aufkommen können. Unsere Sozialarbeiterinnen Juliana und Sylvia leisten dabei wirklich gute Arbeit. Man merkt, wie sehr die Kinder und Jugendlichen sie schätzen und wie dankbar sie für die Begleitung sind.

Teamtag und Betriebsausflug

Einen ganzen Tag haben wir gemeinsam mit dem ugandischen Team verbracht: Gruppenspiele, Reflexion über die einzelnen Arbeitsbereiche und ein Teamshooting. Am Abend dann Essen im Jinja Sailing Club, mittlerweile eine gute Tradition. Es ist uns wichtig, dem Team damit Danke zu sagen für die Arbeit, die sie das ganze Jahr über leisten, und einfach auch Zeit zum Reden zu haben, die im intensiven Wochenplan sonst zu kurz kommt.

Die Patenkinderparty

Das Herzstück jedes Besuchs. Rund 170 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene waren da, von früh morgens bis spät abends, so wie es für eine ordentliche ugandische Partyüblich ist. Einige unserer Patenkinder hatten Briefe von ihren Paten aus Österreich erhalten, die Freude darüber ist jedes Mal sehr groß.

Wie jedes Jahr haben wir auch diesmal die Patenkinder gefeiert, die im letzten Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Am meisten bedeuten uns aber die Gespräche mit ehemaligen Patenkindern, die ihre Patenschaft schon vor Jahren abgeschlossen haben und trotzdem immer wieder vorbeischauen. Viele von ihnen haben sich zu beeindruckenden Menschen entwickelt, die einen echten Unterschied in ihren Familien und ihrer Community machen.

Ein Beispiel dafür ist Marion: Sie hat vor einigen Jahren bei uns eine Ausbildung zur Strickerin gemacht, hat heute eine eigene Firma mit mehreren Angestellten und hat letztes Jahr selbst die Patenschaft für mehrere Kinder bei Nurturing Uganda übernommen. Solche Geschichten sind eine große Ermutigung, für uns und auch für unsere Mitarbeiterinnen. Juliana hat am Abend, müde aber mit strahlenden Augen, gesagt: „This is my favorite day of the year. I am so proud of all my children.“

Als offizieller Abschluss wird gemeinsam ein Kuchen angeschnitten, mittlerweile zweistöckig, damit auch wirklich alle etwas davon bekommen.

Für uns sind diese Ugandabesuche immer eine wichtige Gelegenheit, die Arbeit vor Ort direkt mitzuerleben und gemeinsam mit dem Team weiterzudenken. Wir nehmen jedes Mal viele Eindrücke, Ideen und Energie für unsere Arbeit in Österreich mit.

Vielen Dank, dass ihr durch eure Unterstützung diese Arbeit möglich macht!